Sommerprojekte 2026

Im Rahmen unseres Exzellenzclusters „Color meets Flavor“ bieten wir motivierten und interessierten Physik-Studierenden im zweiten Studienjahr im Sommer drei Wochen lang die Möglichkeit, in einer unserer Arbeitsgruppen in Bonn, Dortmund oder Siegen an einem spannenden Thema zu forschen. Die Themen sowie die dazugehörigen Kurzbeschreibungen sind unten aufgeführt.
Interessenten bewerben sich bitte bis zum 22.06.2026 mit einem halbseitigen Motivationsschreiben (bevorzugt ohne KI-Unterstützung erstellt), einem Transkript der bisherigen Prüfungsleistungen sowie einer Liste mit bis zu drei bevorzugten Themen.
Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung mit dem Betreff „CmF Sommerprojekt 2026“ an:
Bis Mitte Juli werden die Plätze verteilt. Der genaue zeitliche Ablauf der Projekte in den Semesterferien wird dann individuell mit den Dozierenden vereinbart. Studierende, die ein Sommerprojekt mit Color meets Flavor durchführen, erhalten pro Woche ein Stipendium in Höhe von 150 Euro.
Projekte in Siegen
| Supervisor: Zeitraum: |
Prof. Dr. Alexander Lenz ab September |
Das 2-Körper-Problem (Kepler-Problem) kann vollständig analytisch gelöst werden, wobei Ellipsen und Parabeln als Bahnkurven entstehen. Bei der scheinbar einfachen Erweiterung auf nur 3 Körper stellt man fest, dass hierfür bisher keine allgemeine Lösung existiert. In den letzten Jahren gab es hierzu viele interessante Forschungsergebnisse und es wurden für spezielle Anfangskonfigurationen stabile Lösungen gefunden – z.B. in der Form von 3 Körpern, die sich auf einer „Acht“ verfolgen. In diesem Projekt soll zunächst das 2-Körper-Problem wiederholt und programmiert werden. Dabei werden auch leichte Modifikationen des Potentials untersucht, die z.B. zu Rosettenbahnen führen. Schließlich wird das Programm auf 3 Körper erweitert und einige kürzlich entdeckte Lösungen werden untersucht.
Was könnt ihr dabei lernen? Grundlagen der numerischen Lösung physikalischer Probleme.
| Supervisor: Zeitraum: |
Prof. Dr. Simon Plätzer nach Absprache |
Mechanische Systeme können durch die numerische Lösung der Hamiltonschen Bewegungsgleichungen beschrieben werden, was zu den bekannten Trajektorien im Phasenraum führt. Diese Methode ist allerdings noch viel allgemeiner und kann mit einer einfachen Modifikation auch dazu dienen, Systeme in einem thermischen Bad zu simulieren. Man spricht dann von einer Hamiltonschen Monte-Carlo-Methode. Ob es sich bei dem System um ein mechanisches System handelt oder um andere Beispiele aus der Physik, die sich analog beschreiben lassen, ist dabei zweitrangig. In diesem Projekt wollen wir eine einfache Hamiltonsche Monte-Carlo-Simulation entwickeln und sie auf Fragestellungen zu Vielteilchensystemen anwenden.
Was könnt ihr dabei lernen? Grundlagen der Monte-Carlo-Methode für statistische Systeme
| Supervisor: Zeitraum: |
Prof. Dr. Simon Plätzer nach Absprache |
Die heutigen Simulationen in der Teilchenphysik beschreiben relativistische Streuung und die Erzeugung von Teilchen bei großen Impulsüberträgen. Die Dynamik bei kleinen Impulsüberträgen ist ein wichtiger Bestandteil einer realistischen Modellierung, und es wird sehr häufig vernachlässigt, dass Teilchen bei einer Kollision auch mehrfach streuen können. In diesem Projekt wollen wir eine Simulation entwickeln, die die Mehrfachstreuung in einem einfachen System beschreibt. Wir werden zunächst die bekannte Streuung zweier Teilchen simulieren und anschließend das Programm erweitern, um zu untersuchen, zu welchen Verteilungen die mehrfache Streuung innerhalb eines Teilchen-Ensembles führt. Dies ist ein wichtiger Baustein für fortgeschrittene Modelle zur Simulation der Teilchenphysik.
Was könnt ihr dabei lernen? Anwendung relativistischer Kinematik, Elemente von Monte-Carlo-Simulationen
| Supervisor: Zeitraum: |
Prof. Dr. Ivor Fleck 4 Wochen im August/September |
Die Bildgebung in der Medizin verwendet in ihren Apparaturen Detektoren, die auch in vielen physikalischen Anwendungen eingesetzt werden. In diesem Projekt soll die Funktionsweise verschiedener bildgebender Methoden in der Medizin untersucht werden. Dazu werden Detektoren für medizinische Anwendungen wie Positronen-Emissions-Tomographie, Doppler-Ultraschall und Compton-Kamera aufgebaut. Die einzelnen Komponenten sollen charakterisiert und Messungen durchgeführt werden, um ihr Funktionsprinzip zu verstehen. Sie bekommen auch einen Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten zu einer Compton-Kamera, die die Cherenkovstrahlung des Elektrons aus der Compton-Streuung nutzt.
Was könnt ihr dabei lernen? Grundlegendes Verständnis der Funktionsweise von Teilchendetektoren, die in medizinischen Anwendungen eingesetzt werden.
Projekte in Bonn
| Supervisor: Zeitraum: |
Dr. Tatjana Lenz 14.09.2026 – 02.10.2026 |
Nach der erfolgreichen Entdeckung des Higgs-Bosons am LHC stellt sich die Frage, ob es nur dieses eine Boson gibt oder ob es weitere zu entdecken gibt. Diese Frage ist spannend, da das Standardmodell der Teilchenphysik unvollständig ist und noch einige offene Fragen bestehen. Ein Beispiel ist die Frage nach dem Grund für die Materie-Antimaterie-Asymmetrie. Viele Modelle, die diese Frage beantworten könnten, prognostizieren die Existenz zusätzlicher Higgs-Bosonen, darunter auch geladene. Das Ziel dieses Projekts ist die Suche nach geladenen Higgs-Bosonen in den Daten des ATLAS-Experiments. In diesem Projekt wollen wir eine ATLAS-Analyse entwickeln, die nach solchen neuen Teilchen sucht, und sie auf ATLAS-Daten anwenden.
Was könnt ihr dabei lernen? Grundlagen der Analyse von ATLAS-Daten
| Supervisor: Zeitraum: |
Dr. Markus Prim August bis Mitte September |
Dieses Projekt befasst sich mit der präzisen Modellierung semileptonischer B-Meson-Zerfälle unter Verwendung des HAMMER-Softwarepakets zur effizienten Gewichtung von Formfaktoren. Ziel ist es, die kinematischen Verteilungen sowohl von B → D(*)lν als auch von charmlosen Übergängen wie B → πlν, B → ρlν und B → ωlν zu analysieren, um die fundamentalen CKM-Parameter (|Vcb| und |Vub|) zu bestimmen und theoretische Vorhersagen für die Observablen R(D) und R(D*) zu treffen.
Was könnt ihr dabei lernen? Theorie semileptonischer Zerfälle, Datenanalyse, Flavor-Physik
| Supervisor: Zeitraum: |
Prof. Dr. Slavomira Stefkova August |
Rare leptonic decays of B mesons are highly suppressed in the Standard Model and therefore provide sensitive probes for possible new physics effects. This project focuses on the study of the rare purely leptonic decay B+ → e+e-e+νe using simulated Belle II data. The analysis will use hadronic tagging technique to reconstruct one of the B mesons in hadronic decay channel. This allows improved reconstruction of the signal-side B meson decay that contains a neutrino. The project provides an introduction to modern flavor-physics analysis methods for rare B decays at Belle II.
What can you learn? python, data analysis, physics of rare B decays
Projekte in Dortmund
| Supervisor: Zeitraum: |
Dr. Dominik Mitzel, Dr. Carolina Da Silva Bolognani Mitte August bis Anfang September |
Der Large Hadron Collider (LHC) produziert enorme Datenmengen, in denen sich seltene Teilchenzerfälle verbergen. In diesem Projekt werden Methoden des maschinellen Lernens eingesetzt, um solche Zerfälle effizient zu identifizieren. Dazu werden verschiedene Algorithmen trainiert, um Signalereignisse von Hintergrundprozessen zu unterscheiden. Du lernst die Grundlagen der Datenanalyse und des Machine Learning in der Teilchenphysik kennen und erhältst Einblicke in den Umgang mit großen experimentellen Datensätzen, die mit dem LHCb-Detektor, einem der vier großen Experimente am CERN, aufgezeichnet wurden. Die entwickelten Methoden ermöglichen die Untersuchung seltener Prozesse und könnten dabei helfen, Hinweise auf bislang unbekannte physikalische Phänomene zu finden.
Was könnt ihr dabei lernen? Grundlagen der Teilchenphysik und Machine Learning, Datenanalyse in der Teilchenphysik
| Supervisor: Zeitraum: |
Prof. Dr. Johannes Albrecht, Dr. Jamie Gooding August/September |
Seltene Zerfälle von b-Hadronen sind sensible Indikatoren für das Standardmodell (SM) der Teilchenphysik. Effekte, die jenseits des SM liegen, können zu deutlichen Abweichungen zwischen den gemessenen Eigenschaften und den theoretischen Vorhersagen führen. Diese Messungen erfordern ein gründliches Verständnis der Unterschiede zwischen simulierten und gemessenen Zerfällen. Oft lassen sich diese Unterschiede mithilfe multivariater Algorithmen korrigieren. Neue Entwicklungen im Bereich des maschinellen Lernens bieten hierfür eine breite Palette an Algorithmen, von denen viele die Durchführung präziserer Messungen ermöglichen könnten.
Was könnt ihr dabei lernen? Theorie semileptonischer Zerfälle, Datenanalyse, Flavor-Physik
| Supervisor: Zeitraum: |
Dr. Dirk Wiedner, Tom Troska August/September |
Das Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung ultraleichter Auslesestrukturen („Flex-Tapes“) für die zukünftigen Pixeldetektoren des LHCb-Experiments am CERN. Ziel ist es, eine besonders dünne und zugleich hochperformante Datenübertragung für das geplante Upgrade II des Detektors zu realisieren. Dafür werden flexible Leiterstrukturen aus Polyimidfolien mit Aluminiumleitungen entworfen und hinsichtlich ihrer Eignung für die Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung untersucht. Im Rahmen des Projekts werden die Flex-Tapes mit KiCad entworfen, gefertigt und anschließend experimentell getestet. Dazu gehören elektrische Messungen mit Netzwerk-Analysatoren und Oszilloskopen bei Datenraten von bis zu 1,28 Gbit/s. Zusätzlich können Untersuchungen zur Integration der Flex-Tapes in das Gesamtdetektorsystem durchgeführt werden. Das Projekt verbindet praktische Laborarbeit mit moderner Detektorentwicklung für Teilchenphysikexperimente der nächsten Generation.
Was könnt ihr dabei lernen? Erfahrung mit aktuellen Konzepten für hochintegrierten Pixeldetektoren für die Teilchenphysik
| Supervisor: Zeitraum: |
Dr. Chris Delitzsch, Dr. Amartya Rej 17.08.2026 – 04.09.2026 |
The Z boson, a mediator of the weak nuclear force in the Standard Model or particle physics, can decay into pairs of quarks, including heavy quarks such as bottom (b). These heavy quarks leave distinctive signatures in particle detectors like ATLAS at the Large Hadron Collider and can be exploited to study the decay characteristics of Z bosons. In this project, you would learn how such heavy-flavor decays of Z bosons are modeled using Monte Carlo event generators and explore their characteristics using basic data analysis. Furthermore, you would study how state-of-the-art machine learning algorithms are used to identify such Z bosons in the experiment.
What can you learn? physics of weak bosons, Monte Carlo event generators, data analysis